Westwald! Retten! Jetzt!

Herrn Regierungspräsident
Johannes Baron
Luisenplatz 2
64283 Darmstadt

Darmstadt, den 7. August 2012

Wasserrecht für das Wasserwerk Eschollbrücken

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident Baron,

aus der Presse mussten wir, die Darmstädter Allianz zur Rettung des Westwaldes, erfahren, dass Sie nach 15-jähriger Prüfungszeit ein neues Wasserrecht für das Wasserwerk Eschollbrücken genehmigt haben. In dem Bescheid erlauben Sie dem Wasserversorger HessenWasser, die Grundwasserentnahme von derzeit 12,5 auf 20 Millionen Kubikmeter jährlich zu erhöhen, das entspricht einer Steigerung um 60 Prozent.

Dieser Bescheid empört unsere Allianz, da er für den stark vorgeschädigten Wald im betroffenen Gebiet das endgültige Todesurteil bedeuten könnte. Wie hinlänglich bekannt, befindet sich der gesamte Wald im Hessischen Ried, darunter auch der Darmstädter Westwald, in einem besorg- niserregenden Zustand, der u. a. durch einen beständig niedrigen Grundwasserspiegel hervorgerufen wird. Durch die Genehmigung der zusätzlichen Wasserentnahme wird sein vollständiges Absterben in Kauf genommen, bzw. sogar forciert. Das verwundert besonders, da das Regierungspräsidium als Bündelungsbehörde auch die Belange des Umweltschutzes in seine Entscheidungen einbeziehen sollte. In diesem Zusammenhang möchten wir auf den Antrag der Stadt Darmstadt hinweisen, den Westwald als Bannwald auszuweisen, der Ihrer Behörde seit 2006 vorliegt und seither auf Umsetzung wartet.

Ebenso erscheint uns der Zeitpunkt der Genehmigung äußerst unglücklich, da für die nächsten Wochen wichtige Gespräche auf Landes- und kommunaler Ebene angekündigt sind, die sich mit dem Thema Wasser und Wald beschäftigen. So wird am 24. dieses Monats unter Federführung des hessischen Umweltministeriums erstmalig ein Runder Tisch stattfinden, der die Auswirkun- gen der Grundwasserabsenkung für Wälder im hessischen Ried thematisiert. Am selben Tag wird die Stadt Darmstadt in der Kirche der Waldkolonie ein Expertenhearing unter dem Titel „Ist der Darmstädter Westwald noch zu retten?“ durchführen, bei dem Wasser- und Forstexperten ihre jeweiligen Perspektiven darlegen. Für uns ist es unverständlich, dass Sie diese Diskussion nicht abgewartet haben und nun alle Beteiligten vor vollendete Tatsachen stellen.

Wir sehen in der Wassergenehmigung daher einen Alleingang, der Bemühungen des hessischen Umweltministeriums und der Stadt Darmstadt missachtet und sie konterkariert. Für unsere Allianz, die sich vor wenigen Monaten aus Sorge um den Bestand des Darmstädter Westwaldes gegründet hat, und aus Vertretern verschiedener Umweltverbände und Bürgerinitiativen besteht, ist dieses Verhalten nicht nachvollziehbar.

Im Übrigen haben wir erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des wasserrechtlichen Genehmigungsverfahrens und bitten um Überlassung des Bescheides.
Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag der Allianz zur Rettung des Westwaldes

Dr. Arnulf Rosenstock                      Werner Krone
 

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